Gedanken zur Rolle der Lehrperson

Ein wesentlicher Teil des Unterrichts besteht aus dem Reagieren auf das,
was von den Schülern kommt,
was sie wissen, können oder nicht.

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Patrick Kolb (in "MU - Der Mathematikunterricht", Heft 1/2-2007; Friedrich Verlag)

Jedes Kind hat seine eigene Biografie mit seinen eigenen Erlebnissen und Erfahrungen. Diese prägen die Begegnung mit der Schule und dem Schulstoff. Bin ich mir als Lehrperson dieser Tatsache bewusst und nehme ich die Kinder darin ernst, so hat dies Auswirkungen auf meinen Unterricht und meiner Haltung gegenüber dem Lernenden und seiner Arbeit, sowie dem zu unterrichtenden Inhalt.

Was möchte ich mit meinem Unterricht bei den Kindern bewirken? Was erwarte ich von meinen Schülerinnen und Schülern?
Ich erhoffe mir von meinen Schülerinnen und Schülern eine persönliche Auseinandersetzung, in welcher sie ihre Kräfte aufbieten, ihre Erfahrungen und Beobachtungen einbringen. Ich möchte das Kind und seine Gedanken in seiner Arbeit spüren und Einblick in seine Auseinandersetzungen erhalten. Natürlich bin ich froh, wenn die Kinder das Gelernte nicht bloss im Kurzzeitgedächtnis ablegen, sondern auch später noch abrufen können. Vielmehr aber noch, dass das Kind den Stoff nicht beherrscht sondern versteht. Denn was ich verstanden habe, kann ich auch anwenden.

Über Martin Wagenscheins Überlegungen zum sokratischen, exemplarischen und genetischen Lernen führte mein Weg zum Dialogischen Lernen von Urs Ruf und Peter Gallin. Dabei eröffneten sich neue Perspektiven für meinen Unterricht. Individuelle Erlebnisse und Erfahrungen rückten ins Zentrum und helfen den Kindern, den eigenen Lernprozess in die Hand zu nehmen. Als Lehrperson bin ich offen und lasse individuelle Wege, Umwege, Exkurse oder Abschweifungen zu und unterstütze sie.

Unter dieser Perspektive kann ich als Lehrperson jedem Kind ermöglichen, sich auf seinen Weg zu machen. Als Lehrer begegne ich in der Arbeit der Kinder neugierig ihren Gedanken und bin interessiert an dem, was ihnen durch den Kopf geht, was sie fühlen oder beobachten und herausfinden, aber auch, was sie bereits wissen oder vermuten. So bekomme ich Anhaltspunkte um das Kind in seiner Arbeit zu stärken und ihm Hinweise für den weiteren Lernweg zu geben. Es entsteht ein Dialog zwischen Lehrendem und Lernendem, der sich um fachliche Auseinandersetzungen dreht.

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